Ein Forscherteam bestehend aus Pavel Yakovlev, Darya Supranovich, Lyubov Yakovleva, Mariia Kornilova und Arina Kordys von der Next Generation Clinic, EVACLINIC IVF, Chuvash State University named after I.N. Ulyanov, Mari State University und Wesleyan University hat den Zusammenhang zwischen chronischer Endometritis und wiederholtem Implantationsversagen eingehend analysiert.
Ihre Schlussfolgerungen werfen ein Licht auf einen der größten Zweifel in der assistierten Reproduktionstechnik.
Im Anschluss finden Sie ein Inhaltsverzeichnis mit allen Punkten, die wir in diesem Artikel behandeln.
Was ist chronische Endometritis?
Die chronische Endometritis ist eine lokalisierte und anhaltende entzündliche Veränderung im Endometrium (der inneren Auskleidung der Gebärmutter), die durch die Infiltration von Plasmazellen (Zellen des Immunsystems) gekennzeichnet ist.
Im Bereich der Fruchtbarkeit und der assistierten Reproduktion wurde vermutet, dass diese stille und fast immer asymptomatische Entzündung dafür verantwortlich sein könnte, dass sich qualitativ hochwertige Embryonen nicht in der Gebärmutter einnisten, also als ein Faktor, der zum wiederholten Implantationsversagen beitragen könnte.
Dies hat dazu geführt, dass das Thema in Kliniken für assistierte Reproduktion auf großes Interesse stößt.
Der "Mythos" vom Implantationsversagen
Aktuelle wissenschaftliche Daten bieten eine viel beruhigendere Perspektive. Das echte wiederholte Implantationsversagen, definiert als wiederholtes Versagen nach dem Transfer von euploiden Embryonen (mit normalem Chromosomensatz), betrifft nur einen kleinen Prozentsatz der Patientinnen, nämlich zwischen 2 % und 5 %.
Aktuelle klinische Daten zum Transfer euploider (genetisch analysierter) Embryonen zeigen, dass die kumulativen Implantationsraten hoch sind:
- 1. Transfer: 55-65%.
- 2. Transfer: 80-85%.
- 3. Transfer: ~90%.
- 4. und 5. Transfer: ~95% bzw. ~98%.
Darüber hinaus deuten Vergleichsstudien darauf hin, dass die Prävalenz der chronischen Endometritis bei Frauen mit wiederholtem Implantationsversagen nicht höher ist als in Kontrollpopulationen. Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die tatsächlichen Auswirkungen der chronischen Endometritis auf Implantationsversagen viel geringer sein könnten als bisher angenommen.
Schwierigkeiten bei der Diagnose
Eine genaue Diagnose dieser Veränderung bleibt eine erhebliche medizinische Herausforderung. Derzeit ist die Diagnose problematisch, da es keine standardisierten Grenzwerte gibt, der Zeitpunkt der Biopsie im Zyklus stark variiert und die histologische Interpretation nicht einheitlich ist.
All dies kann dazu führen, dass bei Patientinnen häufig eine Endometritis überdiagnostiziert wird.
Das Risiko der Einnahme von Antibiotika
Angesichts dieser diagnostischen Unsicherheit werden sehr häufig Antibiotikabehandlungen verschrieben, ohne dass das Vorhandensein der verursachenden Erreger bestätigt wurde. Diese Routinepraxis gibt Anlass zu ernster medizinischer Sorge. Die Evidenz für ihren therapeutischen Nutzen ist sehr begrenzt und inkonsistent, was das Risiko von Überdiagnose und Überbehandlung erhöht und die gefürchtete Antibiotikaresistenz durch unnötige Exposition fördert.
Letztendlich plädiert die wissenschaftliche Gemeinschaft dafür, dass eine routinemäßige Beurteilung dieser Erkrankung im Allgemeinen nicht empfohlen wird und ein selektiver und vorsichtiger klinischer Ansatz verfolgt werden sollte.
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Literaturverzeichnis
Yakovlev P, Supranovich D, Yakovleva L, Kornilova M, Kordys A. Chronic Endometritis and Recurrent Implantation Failure: A Narrative Review of Clinical Relevance and Diagnostic Challenges. Reprod Fertil. 2026 May 22:RAF-25-0166. doi: 10.1530/RAF-25-0166. Epub ahead of print. PMID: 42171438. (Sehen)


