Assistierte Reproduktionstechniken können bei einigen ihrer Verfahren den Einsatz von Anästhesie erfordern. Insbesondere die Anwendung von Anästhesie zur Durchführung der Follikelpunktion kann bei der Frau gewisse Unruhe oder Besorgnis hervorrufen.
Dennoch sorgt die Anästhesie dafür, dass die Follikelpunktion für die Frau komfortabler und schmerzfrei ist und zudem ihre Sicherheit verbessert.
In der Regel wird während der Follikelpunktion eine Sedierung gewählt, sodass die Patientin die Kinderwunschklinik wenige Stunden nach dem Eingriff wieder verlassen kann.
Im Anschluss finden Sie ein Inhaltsverzeichnis mit allen Punkten, die wir in diesem Artikel behandeln.
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Einsatz von Anästhesie bei der Eierstockpunktion
Die Follikel- oder Ovarialpunktion ist das Verfahren, bei dem die in den Follikeln der Eierstöcke befindlichen Eizellen aspiriert werden.
In einem In-vitro-Fertilisationsprozess (IVF) ist die Ovarialpunktion notwendig, um die Eizellen zu gewinnen und sie anschließend im Labor zu befruchten. Dieser Eingriff wird jedoch auch bei Eizellspenderinnen sowie im Rahmen der Fruchtbarkeitserhaltung durchgeführt.
In jedem Fall handelt es sich um einen einfachen chirurgischen Eingriff, der nach einer ovariellen Stimulation mittels hormoneller Behandlung durchgeführt wird. Dadurch wird die Entwicklung einer größeren Anzahl von Follikeln gefördert, um eine ausreichende Anzahl an Eizellen bei der Punktion zu gewinnen.
Die Ovarialpunktion wird im Operationssaal vaginal und unter Ultraschallkontrolle durchgeführt. Obwohl es sich um einen einfachen und kurzen Eingriff handelt, kann er bei der Frau Beschwerden und Schmerzen verursachen. Aus diesem Grund erfolgt die Follikelpunktion unter Anästhesie.
Zu den Vorteilen der Anästhesie bei der Follikelpunktion zählen neben dem Komfort der Frau auch ihre Sicherheit. Durch die Anästhesie wird die Immobilität der Patientin gewährleistet, was die Arbeit der Gynäkolog*innen erleichtert und mögliche Komplikationen (wie Gefäßpunktionen oder Verletzungen von Beckenorganen) verhindert.
Wenn du mehr über die Follikelpunktion lesen möchtest, kannst du dies in diesem Artikel tun: Worin besteht die Follikelpunktion bei einem IVF-Prozess?
Art der Anästhesie während der Follikelpunktion
In der Regel wird zur Vermeidung von Beschwerden während der Follikelpunktion eine Tiefsedierung intravenös verabreicht. Die Frau schläft während des Eingriffs und wird kontinuierlich überwacht. Der/die Anästhesist*in ist während der gesamten Prozedur im Operationssaal anwesend.
Je nach Grad der Angst oder Nervosität der Patientin wird der Sedierungsgrad angepasst. Die Sedierung wird stets individuell an die Zahl der zu entnehmenden Eizellen sowie an den körperlichen Zustand der Patientin angepasst.
Die Wirkungsdauer der Anästhesie wird ebenfalls individuell festgelegt, beträgt jedoch in der Regel etwa 15–20 Minuten, also genau die Zeit, die für den Eingriff benötigt wird.
Nach Abschluss der Punktion kehrt die Patientin in den Aufwachraum zurück, ist vollständig wach und erhält eine angemessene Schmerzbehandlung. Anschließend trinkt sie Wasser oder Saft, und wenn ihr Körper die erste Nahrungsaufnahme gut verträgt, wird sie entlassen.
Wenn die Frau nach der Punktion stärkere Schmerzen verspürt als gewöhnlich, werden ihr intravenöse Schmerzmittel verabreicht. Am häufigsten verschwinden die Beschwerden jedoch mit einem herkömmlichen Schmerzmittel.
Empfehlungen für die Anästhesie bei der Punktion
Während der verschiedenen Besuche im Kinderwunschzentrum sollte die Patientin oder Spenderin ausführliche Informationen über die Sedierung erhalten. Der Ablauf wird erklärt, alle Fragen werden geklärt und ein Fragebogen wird durchgeführt, um den Gesundheitszustand, mögliche Risikofaktoren, frühere Operationen und bestehende Krankheiten zu bewerten.
Es ist wichtig, dass die Frau ehrlich über jede Erkrankung oder besondere Situation informiert, die mit der Anästhesie in Zusammenhang stehen oder sie beeinflussen könnte, sowie über die Einnahme von Medikamenten, die mit der Anästhesie interagieren oder die benötigte Dosis beeinflussen könnten. So können die Anästhesist*innen beurteilen, ob die Patientin Anästhesie erhalten kann und in welchem Umfang.
Daher besteht die wichtigste Empfehlung immer darin, die Hinweise des Fachpersonals des gewählten Reproduktionszentrums zu befolgen. Sie kennen die individuelle Situation der Frau und ihre Bedürfnisse am besten.
Zu den allgemeinen Empfehlungen gehören:
- Dem/der Spezialist*in im Detail mitteilen, ob die Frau eine Erkrankung hat oder Medikamente einnimmt.
- 6–8 Stunden vorher nüchtern bleiben, also weder essen noch trinken, um mögliche Risiken zu vermeiden.
- In Begleitung erscheinen, da es nach der Punktion aufgrund der Sedierung zu leichter Desorientierung kommen kann.
Nach der Punktion verbleibt die Frau etwa 2 Stunden im Kinderwunschzentrum. In dieser Zeit werden ihr Wasser oder Saft angeboten, und sobald bestätigt wurde, dass es ihr gut geht, kann sie nach Hause gehen. Es wird jedoch empfohlen, sich auszuruhen und an diesem Tag keine körperlichen Anstrengungen zu unternehmen.
Fragen die Nutzer stellten
Welche Nebenwirkungen hat die Sedierung bei der Follikelpunktion?
Zu den Nebenwirkungen, die eine Frau nach der vom Anästhesisten verabreichten Sedierung während der Follikelpunktion bemerken kann, gehören:
- Schwindel oder Desorientierung.
- Kopfschmerzen.
- Müdigkeit.
- Schläfrigkeit.
- Unwohlsein.
- Übelkeit.
Schwerwiegendere Risiken und Komplikationen der Sedierung sind selten, weshalb das Verfahren als sicher gilt.
Ist eine Follikelpunktion ohne Betäubung möglich?
Tatsächlich könnte die Eizellentnahme ohne Betäubung durchgeführt werden, was Kosten und Zeit sparen würde. Allerdings ist dies für die Frau ein schmerzhafter Eingriff, da die Scheidenwand und die Eierstockkapsel punktiert werden müssen. Daher wird er in der Regel unter Sedierung durchgeführt.
Wenn sich die Frau während des Eingriffs aufgrund der Schmerzen bewegt, ist es für den Gynäkologen außerdem schwieriger, die Punktion durchzuführen, was zu einer geringeren Effizienz und höheren Risiken wie Schäden an benachbarten Strukturen oder Organen führen kann.
Welchen Nutzen hat die Sedierung bei der Eierstockpunktion?
Die Eierstockpunktion ist ein einfacher chirurgischer Eingriff, der zur Gewinnung von Eizellen bei einigen Methoden der assistierten Reproduktion durchgeführt wird. Es handelt sich um einen kurzen Eingriff, der jedoch für die Patientin unangenehm oder schmerzhaft sein kann. Daher macht die Anästhesie den Eingriff für die Frau komfortabler.
Darüber hinaus verhindern die Sedierung und die Immobilität der Patientin mögliche Komplikationen, wie die Punktion von Blutgefäßen oder benachbarten Beckenorganen.
Empfohlene Lektüre
In diesem Artikel haben wir erwähnt, dass vor der Follikelpunktion eine ovarielle Stimulation durchgeführt wird. Wenn du mehr über diese hormonelle Behandlung erfahren möchtest, besuche diesen Link: Zweck und Ablauf einer Follikelstimulation.
Außerdem empfehlen wir dir diesen Artikel, wenn du mehr über die In-vitro-Fertilisation (IVF) erfahren möchtest: Die In-vitro-Fertilisaton: Indikationen, Ablauf und Kosten.
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Literaturverzeichnis
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Fragen die Nutzer stellten: 'Welche Nebenwirkungen hat die Sedierung bei der Follikelpunktion?', 'Ist eine Follikelpunktion ohne Betäubung möglich?' Und 'Welchen Nutzen hat die Sedierung bei der Eierstockpunktion?'.
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