Die Embryokultur ist eine der wichtigsten Phasen der In-vitro-Fertilisation (IVF)-Behandlungen.
Die Embryonen werden im IVF-Labor (In-vitro-Fertilisation) kultiviert, und die Bedingungen dort beeinflussen direkt die Qualität der Eizellen und Embryonen.
Die Zeit, die die Embryonen in der Kultur verbleiben, kann variieren, aber üblich sind 5 Tage. Ab diesem Zeitpunkt erfolgt die Embryotransfer und/oder die Vitrifikation der Embryonen.
Im Anschluss finden Sie ein Inhaltsverzeichnis mit allen Punkten, die wir in diesem Artikel behandeln.
Die Kultur im IVF-Labor beginnt nach der Gewinnung der Eier durch Follikelpunktion. Zunächst werden sie in Kultur gehalten, ohne die Schicht der sie umgebenden Granulosazellen zu entfernen (Entblößung).
Der Tag der Punktion wird als Tag 0 der embryonalen Entwicklung bezeichnet, da hier die Befruchtung stattfindet (Vereinigung von Eizelle und Sperma).
Abhängig von der IVF-Technik zur Befruchtung der Eier ist der nächste Schritt:
Die Kultur von nach der Befruchtung gewonnenen Embryonen dauert solange, bis die Embryonen:
Es ist anzumerken, dass die überzähligen Embryonen, die vitrifiziert werden, ebenfalls unterschiedliche Verwendungszwecke haben können: eigene Verwendung in der Zukunft, Spende für Forschungszwecke oder Weitergabe an andere Paare zu Fortpflanzungszwecken.
Anhand dieser Phasen bewerten Embryologen, welcher Embryo sich am ehesten einnisten wird:
Es gibt verschiedene Gründe, warum Embryonen zu jedem Zeitpunkt ihrer Entwicklung stehen bleiben können. Am häufigsten wird die Embryonalentwicklung aufgrund einer genetischen Anomalie blockiert.
Es kann einige Unterschiede in den Eigenschaften der Embryokultur zwischen verschiedenen Kliniken geben oder sogar für jede Patientin individuell angepasst sein.
Sie stimmen jedoch insofern ein, als dass die Bedingungen perfekt geregelt sein müssen, da jede Veränderung die embryonale Entwicklung beeinträchtigen und die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung gefährden kann.
Abhängig von der Dauer der Kultur wird unterschieden zwischen:
Welche Kulturart durchgeführt wird hängt von mehreren Faktoren ab, wie z.B. der Anzahl der gewonnenen Eizellen, der Qualität der Embryonen am dritten Tag oder der Notwendigkeit einer genetischen Präimplantationsdiagnose (PID).
In einigen Fällen wird auch eine Co-Kultivierung durchgeführt, bei der Embryonen mit Endometriumzellen kultiviert werden, um die Umgebungsbedingungen und damit die Entwicklung zu verbessern. Sie ist jedoch eine ungewöhnliche Technik in der Klinik und wird eher im Forschungsbereich eingesetzt.
Die Eizellen und Embryonen sollten sich in einer so stabil wie möglichen Umgebung befinden. Dazu werden sie meist in Inkubatoren aufbewahrt, so dass die Wachstumsbedingungen nicht verändert werden. Es werden Aspekte kontrolliert wie:
Darüber hinaus ist es auch notwendig, dass die Labors für assistierte Reproduktion sehr kontrollierte Bedingungen haben. Einige der Faktoren, die reguliert werden, sind:
Die Embryonen entwickeln sich in Teller mit Nährböden, die ihnen die Nährstoffe liefern, die sie für eine korrekte Entwicklung benötigen. Wie bereits erwähnt, variiert Ihr Energiebedarf in den verschiedenen Stadien. Je nach Ihrer Zusammensetzung unterscheiden wir:
Wenn möglich sollte immer eine Blastozystenkultur gemacht werden. Während der 5-6 tägigen Kultivierung wird die Embryoentwicklung (Teilung, Verdichtung, Blastozystenstadium) bewertet. Die lange Kultivierung ermöglicht eine bessere Auswahl von Embryonen, was zu einer höheren Einnistungs- und Schwangerschaftsrate führt. Wenn die Time-lapse Technologie auch auf diese Kultur angewendet wird, erhält man mehr Informationen für eine noch bessere Embryonenauswahl.
Aus klinischer Sicht haben junge Frauen ohne Erkrankungen eher Embryonen die das Blastozystenstadium erreichen. Aus Laborsicht erreichen jene hochwertige Embryonen, welche die Zellteilungszeiten korrekt einhalten und in ihrer frühen Entwicklung eine perfekte Morphologie beibehalten, eher das Blastozystenstadium.
Es hängt von jedem Fall ab, da jede Art von Kultur eine Reihe von Vor- und Nachteilen bietet. Einerseits ist es einfacher, die kurze Kultur durchzuführen, und wenn nicht viele Embryonen zur Verfügung stehen, ist es wahrscheinlicher, dass einer am Tag des Transfers vorkommt.
Andererseits können wir durch die lange Kultur besser bestimmen, welcher Embryo die bessere Chance hat, sich einzunisten, da nur diejenigen von guter Qualität in diesem Stadium ankommen.
Daher ist je nach Patientin die ein oder andere Kultur interessanter.
Nein, die Parameter die in einer Klinik am besten funktioniern, müssen nicht zwangsläufig auch in einer anderen funktionieren. Beispielsweise erhalten einige Labors bessere Ergebnisse mit niedrigen Sauerstoffkonzentrationen, während andere keine bedeutenden Unterschiede beobachten.
Es gibt einige Unterschiede in der Zusammensetzung der verwendeten Nährböden, aber im Allgemeinen sind die Bedingungen sehr ähnlich.
Obwohl beide sehr empfindlich sind, sind die Eizellen extrem empfindlich gegenüber Temperaturschwankungen, so dass es notwendig ist, abrupte Veränderungen beim Umgang mit ihnen ab dem Zeitpunkt der Follikelpunktion zu vermeiden.
Die Kultur ermöglicht es uns, die Entwicklung der Embryonen zu bewerten, was ein entscheidender Aspekt ist, um eine Schwangerschaft durch eine IVF-Behandlung zu erreichen. Wusstest du zum Beispiel, dass die Bewertung der Zygoten (Tag 1 der Entwicklung) grundlegend ist, um bestimmte Embryonen mit chromosomalen Anomalien auszuschließen? Weitere Informationen zu diesem Thema findest du unter folgendem Link: Embryobewertung nach Qualität (Grading).
In den letzten Jahren hat es im Bereich der Embryobewertung dank der Anwendung der Time-Lapse-Technologie in der Kultur eine sehr wichtige Verbesserung gegeben. Sie ermöglicht es uns, die Embryonalentwicklung kontinuierlich zu beobachten, ohne die Kulturbedingungen zu verändern, und liefert viele neue Informationen. Wenn du mehr über diese Technik lesen möchtest, empfehlen wir dir, diesen Artikel zu lesen: Was ist das Time- Lapse-Verfahren in der In-vitro-Fertilisation?
Trotz dieses Fortschritts sind nicht alle Embryonen in der Lage, das Blastozystenstadium zu erreichen. Deshalb bleibt die Entscheidung, ob der Transfer am Tag 3 oder im Blastozystenstadium durchgeführt wird, ein umstrittenes Thema. Mehr über die Vor- und Nachteile dieser beiden Optionen erfährst du unter folgendem Link: Welcher Tag ist besser für den Embryotransfer: der 3. oder 5. Tag?
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